7. May, 2009
Zensursula - eine Analogie
Aus dem Heiseforum: (Direktlink leider nicht vorhanden, da von woanders her kopiert!)
Analogie für technisch weniger versierte: Bibliothek
senf-dazugeber (112 Beiträge seit 04.05.05)Die folgende Analogie zur Erklärung der ganzen Problematik ist für IT-Laien gedacht und darf natürlich kopiert und benutzt werden. Ich hoffe, sie kann dazu beitragen, einfache nicht-IT-Freaks für dieSache zu sensibilisieren.
Wenn man in die Bibliothek geht, die aus 100 Stockwerken besteht bekommt man eine Buchholer zugeteilt (DNS vom Provider),
man kann aber auch einen eigenen Buchholer mitnehmen (DNS im Ausland).
Um mit dem Buchholer reden zu können, muss man ihm seinen Namen und seine Adresse geben (IP Adresse).
Man kann allerdings auch den Namen eines anderen nennen (Proxy), oder einen Namen erfinden (TOR).
Nun gibt man dem Buchholer einen Zettel, auf dem die Bücher gelistet sind, die die man gerne möchte.Der Buchholer rennt los und kommt bald zurück mit den gewünschten Büchern. Wenn nun ein Buch dabei ist, das auf der Liste der verbotenen Büchern steht, bringt er statt dem gewünsten Buch bloss einen Stopp-Zettel,auf dem steht, dass ich mich gerade strafbar gemacht habe und der Buchholer wird meinen Namen direkt der Polizei weiterleiten.Folgende Punkte sind dabei problematisch:
- Die Liste der verbotenen Bücher ist geheim. Man kann nicht im vorherein wissen, ob ein Buch verboten ist.
- Die Leute, die die Bücher auf die verbotene Liste setzen, belassen die Bücher im Regal, sodass jene, die einen eigenen Buchholer mitbringen, die Bücher trotzdem lesen können.
- Die Leute, die die Liste machen, müssen keinerlei Rechenschaft ablegen, welche Bücher Sie auf die Liste setzen, und wesshalb sie es tun.
- Manchmal ist einem Buch ein zweites angeheftet (iframe) welches automatisch mitgeliefert wird. Wenn das angeheftete Buch auf der verbotenen Liste steht, macht man sich ebenfalls strafbar.
- Unter Umständen könnte jemand der dich nicht mag heimlich noch ein weiteres Buch auf deine Buchliste setzen, ohne dass du es merkst(Trojaner, Tinyurl, Link zu einer Witzseite aus einem Email).
- Wenn jemand, egal ob absichtlich oder nicht, einen Stopp-Zettel zu Gesicht bekommt, muss er damit rechnen, dass seine Wohnung von der Polizei durchsucht wird, und dass dies alle Nachbarn und Bekannten mitbekommen, und er fortan als Kinderschänder abgestempelt ist.
- Die ganze Sache ist vielen Leuten so ungeheuer, dass sie lieber darauf verzichten, die Bibliothek zu besuchen.
- Wer einen Stopp-Zettel zu Gesicht bekommt, muss beweisen, dass er das entsprechende Buch nicht absichtlich auf seine Liste gesetzt hat.Das bedeutet, dass das Grundprinzip der Unschuldsvermutung aufgehoben ist. Wenn er nicht seine Unschuld beweisen kann (Wobei nicht einmal der Richter in die verbotene Liste Einsicht hat) drohen ihm 2 JahreHaft.
- Diese Liste ist logischerweise interessant für alle, die Wissen über etwas für die Öffentlichkeit zurückhalten wollen.
Beispiel: Regierung will Regierungskritische Bücher verbieten Weil ja niemand über über die Liste Rechenschaft ablegen muss, kann beliebig verboten werden, und jeder, der über so ein Buch stolpert, macht sich strafbar.
